Sonnenuntergang

Volkstrauertag 2020

Kreuz

Stilles Gedenken zum Volkstrauertag 2020

Liebe Merdingerinnen und Merdinger,

am kommenden Sonntag gedenken wir der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft. Besonders natürlich an die jungen Merdinger Männer, die in zwei Weltkriegen starben. Die allermeisten von uns haben das Glück, noch nie einen Krieg erlebt haben zu müssen. Das Kriegsende in Deutschland ist über 75 Jahre her und es werden immer weniger Zeitzeugen, die sich noch aktiv an die Zeit erinnern können. Gerade deshalb ist es so wichtig, dass wir uns jedes Jahr aufs Neue an die schrecklichen Folgen von Kriegen erinnern. Wir denken an den Schmerz der Familien, die einen Sohn oder Ehemann an der Front, eine Frau oder Tochter im Bombenhagel verloren.


Wir sollten aber nicht vergessen, dass die Herrschaft der Militärs und die Dikatur der Nationalsozialisten nicht nur Opfer an der Front verursachten. Im ersten Weltkrieg wurden Soldaten, die durch die Erlebnisse in den Schützengräben krank wurden, nicht selten als Simulanten gequält und zum Teil sogar zum Tode verurteilt. In der Heimat starben Zehntausende an schlechter Versorgung. Und bereits kurz nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten begann für viele Andersdenkende, Andersgläubige, für Behinderte ein häufig langes Martyrium. Sie wurden verfolgt, erhielten Berufsverbote, landeten schuldlos in Gefängnissen oder wurden in Konzentrationslagern gequält und vergast.

Besonders schlimm traf es in dieser Zeit Menschen mit Behinderungen. Auch bei uns in Merdingen konnten wir mindestens zwei Opfer nachweisen. Vor wenigen Wochen berichteten wir von den Schicksalen von Maria Meier und Eduard Scherer. Beide hatten psychiatrische Erkrankungen und wurden 1940 in der Tötungsanstalt Grafeneck ermordet.


Auch wenn wir in diesem Jahr aufgrund der Pandemie keine offizielle Gedenkfeier abhalten können, so werden wir den Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft aus Merdingen, aus Deutschland und Europa und der ganzen Welt still gedenken. Sie sollen uns Mahnung sein, für den Frieden und die Verständigung in Europa und der Welt zu kämpfen.

Ihr
Martin Rupp
Bürgermeister

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